Langbogen

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Langbogen

Der Langbogen ist eine uralte Fernwaffe und wurde von den Menschen bereits in der Steinzeit entwickelt. Sowohl in Europa, wie auch in Asien und Amerika finden sich zahlreiche historische Modelle. Diese Bögen waren für die Jagd, aber auch für den Krieg gedacht. Die Geschwindigkeiten der Geschosse solcher Langbögen betragen dabei meist etwa 150 bis 160 km/h.

Solche Langbögen entsprechen in etwa der Größe des Bogenschützen. Außerdem berührt die Sehne den Stab nur an den Aufhängungen. So ergibt sich die charakteristische D-Form. In den modernen Wettkampfregeln ist dies auch vorgeschrieben.

Die bekannste Ausführung ist der Englische Langbogen. Dieser ist meist aus Eibe oder Ulme gefertigt. Bereits im 5. Jahrhundert nach Christus begannen die Waliser systematisch den Bogen einzusetzen. Bis zu zehn Holzpfeile pro Minute konnte ein geübter Schütze damit bis zu 200 Meter weit schießen.

Aber auch die Samurai kannten mit dem Daikyū einen Langbogen von über 2 Meter Größe. Im Gegensatz zu den europäischen Auszugtechniken spannten die japanischen Krieger ihre Bögen bis hinter das Ohr. So erhielten die Pfeile eine besonders hohe Reichweite und Durchschlagskraft.

Die Indianer hingegen entwickelten so genannte Flachbögen. Diese Bezeichnung kommt von dem abgeflachten Griffstück. Das verbessert den Halt und schafft eine gewisse Pfeilablage.

Eine offizielle Definition im modernen Bogensport lautet: Der Bogen soll der traditionellen Form des Langbogens entsprechen, das heißt bei gespanntem Bogen darf die Sehne nur die Sehnennocken berühren. Er kann ausbeliebigem Material oder Materialkomponenten gefertigt sein. Die Form des Griffes und der Wurfarme unterliegt keinen Einschränkungen. Das Bogenfenster kann auf Zentrumsschuß ausgeschnitten sein.

Bogenlänge und Körpergröße

Je nach Größe des Schützen empfehlen sich unterschiedliche Längen für den Langbogen. Laut dem offiziellen Reglement müssen die Bogenlängen bei Jugendlichen und Frauen mindestens 150 cm und bei Männern mindestens 160 cm betragen.

Die Länge eines Bogens wird jedoch meist in Zoll angegeben. Die zulässige Obergrenze für Turniere mit Langbögen liegt beim 70 Zoll. Das sind umgerechnet etwa 1,78 Meter.

Zuggewichte für Einsteiger

Erfahrene Bogenschützen kennen ihr ideales Zuggewicht. Für Einsteiger kann dies jedoch ein heikles Thema sein. Einerseits bringt ein höheres Gewicht ballistische Vorteile. Jedoch kann eine zu große Kraftanstrengung auch die Technik ruinieren.

Anfänger mit geringer Körperkraft können deshalb auch in Bereichen unterhalb von 20 lbs einsteigen. Trainierte Personen fangen häufig bei etwa 25 lbs an, während Sportler auch schon zum Einstieg einen Langbogen mit einem Zugewicht von 30 lbs gut beherrschen können.

Man sollte auf jeden Fall in der Lage sein, ein Training von zwei bis drei Stunden gut durchhalten zu können. Die schrittweise Gewöhnung an höhere Zuggewichte sollte kontrolliert angegangen werden, da sich auch andere Wechselwirkungen mit dem Material ergeben.

Anfänger stellen beim Bogenschießen in den ersten Wochen noch keine große Veränderung bei der Kraft fest. Man kann dann im Laufe der Zeit die Gewichte in Schritten von vier bis sechs Pfund steigern. Nach sechs bis acht Wochen passt sich der Körper dann auch den neuen Belastungen an.

In aller Regel ist es jedoch ein großer Fehler, wenn man mit zu hohem Zuggewicht anfängt. Dies hat häufig zur Folge, dass sich keine gute Schusstechnik entwickeln kann. Der Bogenschütze bleibt dann dauerhaft unter dem ursprünglichen Potential.

Historische Langbögen

Die historischen Langbögen haben sich seit der Steinzeit (etwa 8.000 v. Christus) entwickelt. Bis heute haben sich die Bezeichnungen als Primitivbögen und Self Bows erhalten. Je nach Weltregion haben sich jedoch ganz unterschiedliche Spielarten von solchen historischen Langbögen herausgebildet.

Eine grundsätzliche Unterscheidung findet sich in der Abgrenzung zwischen Jagd- und Kriegswaffen. Während es auf der Jagd vor allem wichtig war, mit einem präzisen Schuss ein Tier sofort zu erlegen, zählten in der Schlacht häufig ganz andere Qualitäten.

Beim militärischen Bogenschießen war dagegen meist die Schussrate wie auch die Durchschlagskraft der Projektile entscheidend. Ein großer Nachteil der historischen Langbögen war jedoch, dass die Geschwindigkeit der Pfeile sehr schnell abnahm.

Auf höhere Distanzen ließen sich Ziele deshalb nicht mehr direkt anvisieren. Vielmehr mussten Langbogenschützen deshalb häufig in einem steilen Winkel auf ihre Feinde schießen.

Doch im Mittelalter war die Nachfrage nach Langbögen so groß, dass sich ein ganzer Industriezweig entwickelte. Für hochwertige Bögen wurden sogar extra Hölzer im Ausland eingekauft.

Flachbogen aus Amerika

Der amerikanische Flachbogen wurde von den Ureinwohnern Amerikas als Jagdwaffe entwickelt. Der Begriff bezieht sich dabei auf das abgeflachte Griffstück in der Mitte des Bogenschaftes. Damit konnte man Vorteile bei der Präzision erreichen.

Zunächst kann der Bogenschütze schon beim Aufspannen den Pfeil sehr viel komfortabler ablegen. Außerdem ergibt sich durch das abgeflachte Griffstück auch andeutungsweise ein Schussfenster. Deshalb kann man mit solchen amerikanischen Langbögen etwas besser über die Pfeilspitze zielen.

Der Flachbogen ist deshalb keine ausschließliche Eigenheit des amerikanischen Kontinents. Auch in Europa nutzten Jäger- und Sammlerkulturen in der Mittelsteinzeit solche Fernwaffen wie zwei Funde aus Dänemark belegen.

Englischer Langbogen

Der Englische Langbogen entwickelte sich als Kriegswaffe in Wales. Es handelt sich dabei um eine ganz außergewöhnliche Varation, weil ein solcher Bogen nicht nur für den direkten Schuss da war. Vielmehr wurde auf dem Schlachtfeld auch auf sehr große Distanz im steilen Winkel geschossen (Clout Schießen).

Nach einem Parabelflug schlugen die Pfeile dann mit sehr hoher Energie beim Gegner ein. Auf eine Distanz von 80 Metern konnten sie so noch einzelne Glieder von Kettenhemden aufsprengen. Die maximale Reichweite lang bei etwa 200 bis 400 Metern. Die englischen Könige verdankten den walisischen Bogenschützen im Laufe der Jahrhunderte deshalb auch zahlreiche Siege.

Vor allem im 100jährigen Krieg gegen Frankreich kamen die Langbogenschützen in großer Zahl zum Einsatz. In Schlachten wie bei Crécy (1346) oder Azincourt (1415) brachten sie den entscheidenden Vorteil. Für den Kampf war jeder Langbogenschütze mit ein bis zwei Köchern mit je 24 Pfeilen ausgestattet.

Diese konnten sie im Abstand von etwa sechs bis zehn Sekunden nacheinander abfeuern. Außerdem zeigen historische Darstellungen einen leichten Ansatz eines Recurves an den Enden der Bogenschäfte. Dadurch entlädt sich die Energie dieser englischen Langbögen etwas schneller, was sich zu Gunsten der Pfeilgeschwindigkeit auswirkt.

Zeitweise trainierte das gemeine Volk in ganz England auf köngliche Erlasse hin an jedem Sonntag mit dem Bogen. Die meisten der gefundenen englischen Langbogen hatten dabei  Zuggewichte zwischen 120 und 160 lbs.

Deshalb haben solche Kriegsbögen auch ganz massive Wurfarme. Damit die Nocken unter diesen Zuggewichten nicht aufreißen, wurden sie häufig noch mit eigenen Wicklungen verstärkt. Außerdem benötigen solche Langbögen eine starke Sehne, die dann allerdings auch sehr träge ist. Heutzutage liegt bei Turnieren die Obergrenze der Zuggewichte jedoch bei 60 lbs.

Es gibt auch nur sehr, sehr wenige Bogenschützen, die mit Zuggewichten oberhalb von 100 lbs überhaupt noch zurecht kommen können. Ingesamt empfiehlt sich ein solcher Bogen deshalb nicht für einen präzisen Schuss. Dafür konnen solche Langbögen auf Distanzen von 20 Metern auch schwere Panzerungen durchschlagen.

Aber die Körper der Langbogenschützen aus England wurden durch diese extremen Belastungen auch dauerhaft geschädigt. Archäologen können deshalb die Gebeine von solchen Schützen sehr leicht anhand charakteristischer Schäden identifizieren.

Japanischer Daikyū

Bild eines japanischen Langbogens (CC0)

Japanischer Langbogen (Beispielbild – CC0)

Der japanische Daikyū war der große Langbogen der Samurai. Die Beherrschung der gefürchteten Distanzwaffe war mit hohem Ansehen verbunden. Der Kyūdō, der Weg des Bogens, ist die Praxis der japanischen Bogenschießkunst in verschiedenen Stilen. Der Krieger strebt auf diesem Pfad nach Wahrheit, Güte und Schönheit.

Bis heute wird Kyūdō als meditative Disziplin betrieben und hat weltweit Anhänger gefunden. Der große Langbogen ist aber nicht nur wegen seiner imposanten Ausmaße von mehr als 2 Metern ein besonderes Exemplar.

Die Wurfarme des japanischen Langbogens sind nämlich stark asymmetrisch. Der Griff befindet sich weit unterhalb der Mitte. Dies ermöglicht einen höheren Auszug als bei einem europäischen oder amerikanischen Langbogen. Daraus ergeben sich mehrere Vorteile:

  • Durch den langen oberen Wurfarm wird der Auszug des Bogens deutlich größer. So kann mehr Energie in dem Bogen gespeichert werden, die nach dem Lösen auf das Projektil übertragen wird.
  • Währenddessen sorgt der verkürzte, untere Teil des japanischen Langbogens für eine höhere Beschleunigung.

Insgesamt erhalten die langen und schweren Pfeile aus einem solchen Bogen etwas mehr Geschwindigkeit. Dadurch haben sie eine höhere Reichweite und verfügen über eine größere Durchschlagskraft. Außerdem verteilt sich die Schwingung nach dem Lösen des Schusses anders als bei anderen Langbögen.

Dadurch minimiert sich der Handschock, was sich zu Gunsten der Präzision dieses Bogens auswirkt. Auch hält man beim Zielen und der Schussabgabe sowohl den Daumen wie auch den Zeigefinger leicht geöffnet. Dabei handelt es sich um einen weiteren kleinen Trick, um die Zielgenauigkeit zu verbessern.

Die Bogen-Samurai entwickelten deshalb auch einen besonderen Kampfstil in der Schlacht. Sie kämpften nicht nur in einer Gruppe zusammen. Vielmehr konnten sie sich auch mit ihren Langbögen in einem Eins gegen Eins duellieren.

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